Der älteste Schützenverein im Rietberger Stadtgebiet, die St. Hubertus Schützengilde Rietberg von 1634, hält an einer langen Tradition fest: Die Mitglieder votierten am Samstag auf der Generalversammlung deutlich für die Beibehaltung der Holzgewehre in den Umzügen. Zwei Mitglieder hatten den Antrag zur Abschaffung gestellt.
Es war eine lebhafte, aber allzeit offene und faire Diskussion am Samstagabend in der Cultura. Rainer Honerlage und Dirk Haverland hatten mit ihrem Antrag versucht, die Holzgewehre abzuschaffen, die die Schützen in Rietberg während des Kapellen-Sonntags und des Schützenfest tragen. „Nicht mehr zeitgemäß“ lautete der Tenor der beiden.
Schließlich seien Gewehre wenn auch aus Holz in Zeiten von immer häufigerem Waffengebrauch in Deutschland unangemessen. Der Verzicht sei ein Zeichen für Gewaltfreiheit und Toleranz der Gilde. Auch könnten sich gerade die Jungschützen nicht mehr mit den Gewehren identifizieren. Auch Nachhaltigkeits- und Kostengründe führten die beiden in ihrem Antrag an.
Noch bevor es zur Abstimmung kam, ergriffen mehrere Gilde-Mitglieder das Wort. „Zunächst einmal ist dieser Antrag ein toller und wichtiger Beleg für die Demokratie in unserer St. Hubertus Schützengilde Rietberg“, sagte der Vorsitzende Stefan Kay und bedankte sich bei den beiden Mitgliedern für den Antrag. Dennoch verwies er auf den Beschluss zur Einführung der Gewehre Anfang der 90er-Jahre.
„Eine Gilde beschützt ihre Heimatstadt. Als äußerliches Zeichen tragen die Schützen einer Gilde Holzgewehr mit Eichenlaub als Friedenssträußchen. Dieses äußerliche Zeichen steht für eine friedliche und gewaltfreie Gesinnung“, machte er deutlich. Darüber hinaus seien seit Jahren keine Kosten mehr auf die Gilde zugekommen, um die Gewehre instand zu halten.
Auch Jungschützenmeister Tobias Kloock hielt dagegen. Er hatte im Vorfeld bei den Jungschützinnen und Jungschützen ein Stimmungsbild zu den Gewehren eingeholt – und das war eindeutig: 99 Prozent wollen die Attrappen beibehalten. „Die Jugend findet die Gewehre nicht altmodisch. Im Gegenteil. Sie möchte an der Tradition festhalten und empfinden diese sogar als Kult und Must-Have beim Schützenfest“, führte er aus.
Entsprechend deutlich fiel das Votum der Mitglieder letztlich für die Beibehaltung der Holzgewehre aus. 118 Mitglieder stimmten gegen den Antrag, sieben dafür – sieben Mitglieder enthielten sich. Ein zweiter Antrag, gestellt vom geschäftsführenden Vorstand, um einen Teil der Rücklagen des Vereins in Wertpapieren anzulegen, wurde dagegen nahezu einstimmig durchgewunken.
Kassierer Tom Strothoff hatte den Anwesenden zuvor einen positiven Jahreshaushalt präsentiert. Dank der Beitragserhöhung im vergangenen Jahr und dem auch finanziell erfolgreichen Bundesfest im September konnte er ein plus im vierstelligen Bereich ausweisen. „Mit Blick auf zahlreiche geplante und unvermeidliche Investitionen vor allem in das Schützenheim ein wichtiger Grundstock“, führte er aus. Einstimmig wurde der Vorstand daraufhin entlastet. Wahlen standen in diesem Jahr nicht auf der Agenda.